14 dezember 2015

Bakterien auf Diät

Abwasser enthält einen hohen Anteil an chemischer Energie, der europaweit der Leistung von zwölf Großkraftwerken entspricht. Studien haben gezeigt, dass mit innovativen Verfahren diese Energie nutzbar gemacht werden kann, ohne dabei die Reinigungsleistung zu beeinträchtigen. Die EU hat deshalb das Programm Powerstep zu verschiedenen Verfahren in vier Ländern aufgesetzt. Auch Veolia beteiligt sich daran: Auf der Kläranlage des AZV Döbeln-Jahnatal in Westewitz soll nun getestet werden, wie man den Kohlenstoff im Abwasser optimal gewinnen und nutzen kann

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Derzeit startet der Praxistest für das unter Beteiligung von Veolia im Kompetenzzentrum Wasser Berlin entwickelte und mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Projekt CARISMO – kurz für Carbon is Money. Veolia testet das Verfahren auf der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes (AZV) Döbeln-Jahnatal im sächsischen Westewitz.  Dort sollen Bakterien auf Diät gesetzt werden, indem man den Kohlenstoff aus dem Abwasser herausfiltert, bevor er im Belebungsbecken veratmet wird. So könnte der abgezogene energiereiche Primärschlamm direkt zur Klärgasgewinnung in einen Faulturm geleitet werden. Die Herausforderung ist, das System so „einzustellen“, dass die Bakterien trotzdem ihre Arbeit erledigen und das Abwasser den Umweltanforderungen entsprechend reinigen.

Damit dies möglich ist, werden drei Varianten getestet: entweder über eine separate Leitung einen Teil des frischen und damit kohlenstoffreichen Abwassers am Vorklärbecken vorbei direkt ins Belebungsbecken zu leiten,  in der Belebung kohlenstoffhaltige Chemikalien zuzuführen oder statt der Bakterien zur Abwasserreinigung Wasserlinsen einzusetzen, die gut mit kohlenstoffarmem Wasser auskommen. Dazu werden in Westewitz in der Testphase drei Prozent des Abwassers abgezweigt, in ein Gewächshaus geleitet und dort von den Pflanzen gereinigt. „Inwiefern man die Wasserlinsen auch als Energieträger in der Faulung nutzen könnte, ist ein weiterer Aspekt dieser Forschungsreihe“, erläutert Boris Lesjean, Leiter Innovation bei Veolia.

Nach der Planungs- und Genehmigungsphase soll die Testanlage im Sommer 2016 in Betrieb gehen. »Funktioniert das Prinzip, übernehmen wir die Anlage und gewinnen damit gezielt und  frühzeitig  die  im  Abwasser  enthaltene  Energie«,  fasst AZV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Gemkow zusammen. Rund 18 statt bisher zehn Prozent der Energie will er so mit Unterstützung seines Betriebsführers, der Veolia-Tochter OEWA Wasser und Abwasser GmbH, bestenfalls nutzbar machen. Damit ergänzt das Programm perfekt ein weiteres regeneratives Verfahren, das bereits seit einigen Jahren auf der Kläranlage Döbeln-Masten eingesetzt wird: Dort wird über eine Wärmepumpe Energie aus dem Abwasser zur Beheizung der Betriebsgebäude gewonnen.

Mehr unter www.powerstep.eu