14 dezember 2015

Bakterien auf Diät

Abwasser enthält einen hohen Anteil an chemischer Energie, der europaweit der Leistung von zwölf Großkraftwerken entspricht. Studien haben gezeigt, dass mit innovativen Verfahren diese Energie nutzbar gemacht werden kann, ohne dabei die Reinigungsleistung zu beeinträchtigen. Die Europäische Union hat deshalb das Programm Powerstep zu verschiedenen Verfahren in vier Ländern aufgesetzt. Auch Veolia beteiligt sich daran: Auf der Kläranlage des AZV Döbeln-Jahnatal in Westewitz wird getestet, wie man den Kohlenstoff im Abwasser optimal gewinnen und nutzen kann.

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Seit November 2016 läuft der Praxistest für das unter Beteiligung von Veolia im Kompetenzzentrum Wasser Berlin entwickelte und mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnete Projekt CARISMO – kurz für Carbon is Money. Veolia testet das Verfahren auf der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes (AZV) Döbeln-Jahnatal im sächsischen Westewitz.  Dort werden Bakterien auf Diät gesetzt, indem man im Zulauf der Kläranlage über ein Trommelsieb  Schmutzstoffe und damit vor allem Kohlenstoff mechanisch herausfiltert. So könnte bei der Abwasserreinigung durch den geringeren Verschmutzungsgrad des Abwassers Energie gespart und gleichzeitig der abgezogene energiereiche Primärschlamm direkt zur Klärgasgewinnung in einen Faulturm geleitet werden. Die Herausforderung ist, das System so „einzustellen“, dass die Bakterien trotzdem ihre Arbeit erledigen und das Abwasser den Umweltanforderungen entsprechend reinigen.


Damit dies möglich ist, werden drei Varianten getestet: entweder über eine separate Leitung einen Teil des frischen und damit kohlenstoffreichen Abwassers am Vorklärbecken vorbei direkt ins Belebungsbecken zu leiten,  in der Belebung kohlenstoffhaltige Chemikalien zuzuführen oder statt der Bakterien zur Abwasserreinigung Wasserlinsen einzusetzen, die gut mit kohlenstoffarmem Wasser auskommen. Dazu sollen in Westewitz in der Testphase drei Prozent des Abwassers abgezweigt, in ein Gewächshaus geleitet und dort von den Pflanzen gereinigt werden. „Inwiefern man die Wasserlinsen auch als Energieträger in der Faulung nutzen könnte, ist ein weiterer Aspekt dieser Forschungsreihe“, erläutert Boris Lesjean, Leiter Innovation bei Veolia.


„Letztlich geht es in dem gesamten Versuch um die Einsparung von Energie. Wir wollen die im Abwasser vorhandene Energie nicht unnötigerweise mit noch mehr Energie verpuffen lassen, sondern effektiv nutzen“, erläutert Wolf-Thomas Hendrich von der OEWA Wasser und Abwasser GmbH, die die Kläranlage im Auftrag des AZV Döbeln-Jahnatal betreibt. „Das in Westewitz getestete und von der Europäischen Union finanzierte Konzept bietet Kommunen energieeffiziente Lösungen zur Abwasserreinigung. Mit dem Demonstrationsprojekt soll die technische und wirtschaftliche Marktfähigkeit des Konzeptes bestätig werden“, so Hendrich.


Mehr unter www.powerstep.eu

 

Von Verschwend- zu Smarthausen
Flyer Powerstep (deutsch)
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